The Venetian Resort: Das zweitgrößte Hotel der Welt

Nach drei Nächten im Bellagio war klar: Weiterziehen. Und das nächste Haus sollte eine andere Antwort geben auf die Frage, was Luxus in Las Vegas bedeuten kann. Die Wahl fiel auf das Venetian, nur ein paar Schritte den Strip hinauf, und doch eine ganz andere Welt. Ein Hotel, das nicht nur groß ist, sondern das größte Erlebnis des gesamten Strips unter einem Dach vereint.

1,5 Milliarden Dollar und eine Hochzeitsreise

Das Venetian hat seinen Ursprung in einer Liebesgeschichte. Als Sheldon Adelson 1989 das legendäre Sands Hotel kaufte, hatte er noch keine konkrete Vision. Die Idee kam zwei Jahre später, auf der Hochzeitsreise mit seiner Frau Dr. Miriam Adelson in Venedig 1991. Sie schlug vor: „Wenn du die romantische Atmosphäre von Venedig mit allem Luxus vereinst, den nur Las Vegas bieten kann, dann wird es ein Gewinner.“ Die Idee wurde Wirklichkeit.

Im November 1996 wurde das Sands Hotel abgerissen, das seit 1952 am Strip gestanden hatte. Adelson finanzierte den Neubau unter anderem durch den Verkauf seiner Computermesse COMDEX für über 800 Millionen Dollar. Am 4. Mai 1999 öffnete das Venetian seine Türen, mit Sophia Loren bei der Eröffnungsfeier und singenden Gondolieri. Die Baukosten beliefen sich auf 1,5 Milliarden Dollar. 2007 folgte das benachbarte Palazzo. 2022 wurde das gesamte Resort für insgesamt 6,25 Milliarden Dollar an Apollo Global Management und VICI Properties verkauft, eine der größten Immobilientransaktionen in der Geschichte von Las Vegas.

Heute ist das Venetian Resort zusammen mit dem Palazzo der zweitgrößte Hotelkomplex der Welt, mit über 7.100 Suiten, rund 9.600 Mitarbeitern und einer Kongressanlage, dem Venetian Expo, die zu den größten privat betriebenen Messezentren der Vereinigten Staaten zählt.

Seit Dezember 2024 ist das Venetian außerdem Teil von World of Hyatt: Eine langfristige Lizenzpartnerschaft erlaubt es Hyatt-Mitgliedern, im Venetian Punkte zu sammeln und einzulösen. Am Eigentümer selbst, Apollo Global Management und VICI Properties, ändert das nichts, es handelt sich um eine reine Marken- und Treueprogramm-Partnerschaft.

Die Lage: nördliches Strip-Zentrum mit direktem Blick auf die Sphere

Das Venetian liegt im nördlichen Zentrum des Las Vegas Boulevards, auf einer Seite das Treasure Island, auf der anderen der Harrah’s und das LINQ. Direkt gegenüber stand bis 2024 das legendäre Mirage Hotel, das inzwischen zum Hard Rock Las Vegas umgebaut wird. Die Lage ist ausgezeichnet: Das Bellagio ist in wenigen Gehminuten erreichbar, das Caesars Palace über eine Fußgängerbrücke, und wer weiterläuft, kommt am Cosmopolitan vorbei.

Wer vom Haupteingang in Richtung Strip geht, sollte wissen: Die Fußwege sind nicht ganz so selbsterklärend wie bei anderen Hotels. Querverkehr und Einfahrtsrampen machen das Überqueren des Boulevards manchmal umständlicher als erwartet. Ein besonderes Merkmal der Lage ist die unmittelbare Nähe zur Sphere. Die Sphere liegt östlich des Venetian, wer ein Zimmer auf der richtigen Seite hat, schaut abends auf die Sphere, eine leuchtende Kugel, die sich in ständig wechselnden Bildern zeigt. Das Venetian ist das einzige Hotel am Strip mit einer direkten, überdachten Fußgängerbrücke zur Sphere, durch das Venetian Expo Center, klimatisiert und bequem. Bei laufenden Großveranstaltungen im Expo Center kann die Brücke jedoch geschlossen sein, dann führt der Weg außen über die Sands Avenue, rund 10 bis 15 Minuten zu Fuß.

Die Zimmer: jede Suite, keine Ausnahme

Das Venetian ist ein reines Suiten-Resort. Wer hier bucht, bekommt in der Standardkategorie bereits rund 60 Quadratmeter, fast doppelt so viel wie ein durchschnittliches Hotelzimmer am Strip. Zum 25. Jubiläum investierte das Resort 1,5 Milliarden Dollar in die Renovierung von 4.000 Suiten. Seit September 2024 sind alle Zimmer im Venetian Tower komplett neu gestaltet, inspiriert von den reich verzierten Kostümen des venezianischen Karnevals, mit tiefen Burgundtönen, Goldakzenten und grünem Marmor im Bad.

Das Layout der Suite ist das Besondere: Ein kleiner Treppenabsatz trennt den Wohnbereich vom Schlafbereich, ein echtes Wohnzimmer mit Couch, Esstisch und eigenem Fernseher, dann ein Kingsize-Bett im abgetrennten Schlafbereich, und dahinter ein großzügiges Bad mit freistehender Wanne, separater Glasdusche und zwei Waschbecken. Die Qualität des Bettes ist hervorragend, man schläft gut hier.

Was fehlt, und das muss gesagt werden: Eine Kaffeemaschine im Zimmer sucht man vergebens. Wer morgens etwas Warmes braucht, ob Kaffee oder Tee, muss ins Restaurant oder in den Schnellimbiss-Bereich. Wer das vermeiden möchte, bringt einen Reisekocher mit oder kauft am Abend vor im Walgreens auf dem Resortgelände. Auch ein Wasserkocher ist nicht vorhanden, für ein Haus dieser Kategorie mit einer Resort-Gebühr von über 60 Dollar pro Nacht ein echter Kritikpunkt.

Ein weiterer Hinweis: Die Minibar arbeitet teilweise mit Drucksensoren, wer Produkte verschiebt oder herausnimmt und wieder zurückstellt, riskiert eine automatische Belastung. Am besten die Minibar unangetastet lassen und Eigenes mitbringen.

Das Casino: groß, lebhaft und vielseitig

Das Casino des Venetian gilt unter Las-Vegas-Kennern als eines der besten am gesamten Strip. Rund 11.000 Quadratmeter Spielfläche, eine hervorragende Auswahl an Spielautomaten, ein renovierter Sportwettenbereich und ein Pokerraum der zu den renommiertesten in der Stadt gehört. Das Casino wurde in den letzten Jahren mehrfach erweitert und modernisiert, die Auswahl an neuen Spielautomaten ist größer als bei den meisten Mitbewerbern.

Wer Tischspiele bevorzugt: Roulette ist typischerweise ab 15 Dollar Mindesteinsatz verfügbar, Craps (amerikanisches Würfelspiel) und Blackjack je nach Tageszeit etwas höher. Wer etwas Ruhe sucht, wechselt auf die Palazzo-Seite, dort ist das Casino deutlich ruhiger. Das Venetian-Casino selbst ist, besonders an Wochenenden und bei laufenden Kongressen, laut und gut besucht.

Wer zum ersten Mal ins Casino geht, wird bemerken: Um vom Parkhaus oder vom Strip zur Rezeption zu gelangen, führt der Weg zwangsläufig durch das Casino. Das ist in Las Vegas nicht ungewöhnlich, fällt aber im Venetian aufgrund der Größe besonders auf. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran.

Der Grand Canal und die Gondeln

Der Grand Canal Shoppes auf der zweiten Etage des Venetian ist mehr als eine Einkaufspassage, er ist eine eigene Welt. Die gesamte Mall ist so gestaltet, dass man sich tatsächlich draußen fühlt: Die Decke ist als bewölkter Tageshimmel bemalt, links und rechts stehen Häuserfassaden, und durch die Mitte fließt ein Kanal mit echten Gondeln. Der Boden des Eingangsbereichs ist original aus Italien importierter Marmor.

Es gibt zwei separate Gondelerlebnisse: die Innenfahrt durch den Grand Canal auf der zweiten Etage und die Außenfahrt entlang der Rialto-Brücke direkt am Strip. Beide dauern 10 bis 13 Minuten, der Preis liegt meist im Bereich um die 39 Dollar pro Person, gelegentlich gibt es auch günstigere Aktionspreise. Für eine private Gondel zu zweit werden meist um die 156 Dollar fällig. Da sich die Preise immer wieder ändern, lohnt sich ein kurzer Blick auf die aktuelle Preisliste vor Ort oder online. Die Gondolieri müssen eine Gesangsausbildung nachweisen, angetrieben werden die Boote von einem Elektromotor, das Ruder dient hauptsächlich zur Lenkung. Rund eine halbe Million Menschen fahren jährlich Gondel im Venetian, die Wartelisten an Wochenenden können lang werden.

Wer beide Varianten vergleicht: Die Außenfahrt bietet die schöneren Fotos und mehr Atmosphäre, wenn das Wetter stimmt. Die Innenfahrt ist wetterunabhängig und hat den Vorteil des überdachten Kanals mit bemaltem Himmel. Wer nur eine Fahrt machen möchte, wählt je nach Wetter und persönlichem Geschmack zwischen innen und außen.

Am Markusplatz, dem zentralen Platz der Einkaufspassage, gibt es freitags bis sonntags von 12 bis 19:30 Uhr kostenlose Auftritte: Streetmosphere nennt sich das Programm, bei dem Sänger, Musiker und Tänzer in Kostümen auftreten. Wer einen Tisch am Kanal ergattert, hat die Show kostenlos dazu.

Neben den Gondeln lohnt sich ein Blick auf die Minus 5 Ice Bar, eine Eisbar in der buchstäblich alles aus Eis ist, auch die Gläser. Der Eingang befindet sich in den Grand Canal Shoppes, eine warme Jacke wird gestellt, der Eintritt liegt ab rund 24 Dollar. Ein kurioser Stopp, der nicht lang sein muss, aber in Erinnerung bleibt.

Essen und Trinken: über 40 Restaurants unter einem Dach

Das Venetian hat die größte Restaurantsammlung am gesamten Strip. Über 40 Lokale, von der einfachen Snackbar bis zum Starkochrestaurant, sind auf dem Gelände verteilt. Eine Orientierung:

Für ein Abendessen der Spitzenklasse: CUT by Wolfgang Puck ist das Steak-Restaurant schlechthin im Venetian. Das 50-Unzen-Wagyu-Steak aus Japan für das Teuerste auf der Karte, aber selbst die günstigeren Gerichte haben Niveau. Bazaar Meat by José Andrés, im Jahr 2025 wiedergeboren als neue Version des legendären Restaurants, ist das aufregendste Erlebnis im Haus: Kleine Häppchen, ein Holzofensteak das mindestens eine Stunde im Jasper-Ofen gart, und ein offenes Küche-Konzept das das Kochen zur Show macht. Reservierung Wochen im Voraus.

Gehobener Alltag: Bouchon von Thomas Keller für ein klassisches französisches Frühstück oder Mittagessen. Brera Osteria und Mercato della Pescheria am Markusplatz für gute italienische Küche mit Kanalblick und Streetmosphere-Unterhaltung.

Erschwinglich: Das Grand Lux Cafe, Schwesternrestaurant der Cheesecake Factory, ist einer der wenigen Orte im Venetian, wo man ein vollständiges Gericht für unter 25 Dollar bekommt, bis Mitternacht geöffnet und konstant gut. Die Via Via Food Hall mit Tacos, Ramen, Sandwiches und Pizza ist die günstigste Option für ein schnelles Mittagessen, und der Walgreens im Haus ist für alle Getränke und Snacks ohne Aufpreis die erste Adresse.

Wichtig zu wissen: Die Preise in den meisten Restaurants und am Pool sind in Las Vegas generell hoch, im Venetian ist das nicht anders. Wer zu dritt frühstückt, mittags snackt und abends essen geht, kann schnell 300 bis 400 Dollar am Tag ausgeben. Das ist kein Vorwurf, aber eine realistische Erwartung die man mitbringen sollte.

Das Venetian hat insgesamt 11 beheizte Außenpools auf zwei Poolbereichen, vier auf dem Venetian-Pooldeck und sieben auf dem Palazzo-Pooldeck. Die gesamte Poolanlage erstreckt sich über rund 20.000 Quadratmeter auf dem Dach beider Türme. Beide Bereiche sind für alle Hotelgäste zugänglich, mit Cabanas, Tagesliegen und Poolbar. Wer mehr Ruhe möchte, wechselt auf das Palazzo-Deck, das als ruhiger und entspannter gilt. Für ein Party-Erlebnis am Pool ist der TAO Beach Tagesclub auf Anfrage buchbar.

Pool und Spa

Das Canyon Ranch Spa & Fitness zählt zu den besten Hotelamts-Fitnessstudios am Strip, mehrere Räume, eine Kletterwand, Pilates, Yoga, Dampfbad und Spa-Behandlungen. Der Zugang zum Fitnessstudio ist für Hotelgäste kostenfrei. Spa-Behandlungen und Kletterwand sind separat buchbar.

Check-in und Orientierung: Geduld beim ersten Tag

Das Venetian ist so groß, dass selbst der Weg vom Haupteingang zum Zimmer zu einer kleinen Expedition werden kann. Wer im Venetian Tower wohnt, hat es einfacher, wer im Venezia Tower untergebracht ist, braucht zwei verschiedene Aufzüge und mehrere Abbiegungen. Eine Abkürzung auf der zweiten Etage über die Brücke direkt zu den Grand Canal Shoppes spart auf Dauer viel Zeit.

Der Check-in läuft im Vergleich zu anderen großen Strip-Hotels überraschend flüssig, es gibt Selbstbedienungsterminals, und selbst an belebten Wochenenden mit Kongressen war die Schlange an der Rezeption kurz. Wer vor der offiziellen Check-in-Zeit ankommt, kann sein Glück versuchen, Frühankünfte werden je nach Verfügbarkeit an der Rezeption gelegentlich ohne Aufpreis gewährt.

Wer mit dem Auto kommt oder einen Fahrdienst nutzt, sollte wissen: Uber und Lyft werden nicht am Haupteingang abgeholt, sondern im Parkhaus auf der zweiten Etage. Das ist nicht sofort ersichtlich, wer zum ersten Mal kommt und vor dem Haupteingang wartet, steht falsch.

Mein Fazit

Das Venetian ist kein Hotel in dem man einfach übernachtet, es ist ein Ort in dem man sich für Tage verlieren kann. Die Standardzimmer gehören zu den größten am Strip, die Renovierung von 2024 hat das Haus spürbar aufgewertet, und das Angebot an Restaurants, Shopping und Unterhaltung ist beispiellos. Wer nach dem Bellagio einen anderen Maßstab für Luxus erleben möchte, hier ist er.

Die Kritikpunkte sind real: keine Kaffeemaschine, hohe Preise für alles was über das Zimmer hinausgeht, und ein erstes Orientierungs-Chaos das man einplanen muss. Aber wer sich darauf einlässt, erlebt etwas das am Strip einzigartig ist: ein echtes Venedig-Gefühl, auch wenn das Original ganz anders klingt, riecht und sich anfühlt. Drei Nächte waren die richtige Wahl zum 50. Geburtstag. Las Vegas hatte noch mehr zu bieten, und das nächste Hotel wartete bereits.

MEINE TIPPS FÜR DEINEN BESUCH
→ Zimmer mit Blick auf die Sphere buchen: Wer einen Sphere-Blick möchte, fragt beim Check-in ausdrücklich danach. Die Sphere liegt direkt neben dem Venetian Tower, von den richtigen Zimmern leuchtet das Rund der Sphere abends direkt ins Zimmer. Einen Strip-Blick bekommt man am ehesten durch ein Upgrade an der Rezeption, oder mit dem alten Trick: ein 20-Dollar-Schein zwischen den Reisepässen, freundlich nach einem schönen Zimmer fragen. Manchmal klappt es.
→ Gondeln: Innen oder außen, oder am besten beides: Die Gondeln im Grand Canal Shoppes und draußen am Strip sind zwei separate Erlebnisse mit jeweils eigenem Ticket. Die Außenfahrt empfiehlt sich für schöne Fotos und mehr Atmosphäre, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Die Innenfahrt ist wetterunabhängig und bietet die besondere Stimmung des überdachten Kanals mit bemaltem Himmel. Wer beide Varianten möchte, plant das am besten direkt beim Einchecken ein, an belebten Wochenenden sind begehrte Zeitfenster schnell vergriffen.
→ Minibar unangetastet lassen: Die Minibar im Zimmer ist verlockend, aber teuer. Wer Wasser, Softdrinks oder Snacks braucht, geht in den Walgreens direkt auf dem Resortgelände zwischen Venetian und Palazzo, günstiger geht es am Strip kaum. Getränke am Pool kosten ein Vielfaches des normalen Preises.
→ Orientierung im Hotel: Das Venetian ist eines der größten Hotelkomplexe der Welt, und das merkt man. Vom Haupteingang bis zum eigenen Zimmer können mehrere Aufzüge und viele Abbiegungen nötig sein. Wer im Venezia Tower untergebracht ist, findet auf der zweiten Etage eine Abkürzung über die Brücke direkt zu den Grand Canal Shoppes, die viel Laufzeit spart. Am besten die erste Orientierungsrunde einplanen, bevor man sich an den Strip begibt. Uber und Lyft werden übrigens nicht am Haupteingang abgeholt, sondern im Parkhaus auf der zweiten Etage.
→ Streetmosphere am Markusplatz: Freitags, samstags und sonntags von 12 bis 19:30 Uhr gibt es am nachgebauten Markusplatz kostenlose Auftritte, Sänger, Musiker, Tänzer. Wer einen Tisch im Freien beim Mercato della Pescheria oder Brera Osteria ergattert, hat die beste Aussicht auf die Show. Eine der schönsten kostenlosen Attraktionen im gesamten Venetian.
→ Kongresskalender prüfen: Das Venetian Expo ist eines der größten Kongresszentren der USA. Bei laufenden Großveranstaltungen, insbesondere der CES im Januar oder anderen Messen, sind die Zimmerpreise deutlich höher, das Hotel voller und die Wartezeiten länger. Wer seinen Aufenthalt plant, lohnt es sich vorab zu prüfen, ob in diesem Zeitraum eine Messe stattfindet.

Stand der Informationen: Die genannten Preise, Öffnungszeiten und Angebote können sich ändern. Aktuelle Details findest du auf der offiziellen Venetian-Website. Stand: September 2026.

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