Der Vorhang geht auf, nicht auf einer Bühne, sondern hinter einer Fensterscheibe. Ich wache auf, und die Gardinen gleiten lautlos auseinander, per Knopfdruck vom Bett aus, und was sich vor mir öffnet, ist Las Vegas. Nicht das laute Vegas der Nacht, sondern das andere: die Stadt im frühen Morgenlicht, wenn die Leuchtreklamen noch brennen, aber die Straßen etwas ruhiger sind. Unten das Schwimmbad glänzt blau. Dahinter der Strip, die Dächer der Nachbarhotels und irgendwo am Horizont die Wüste Nevadas in sanftem Orangeton. Es gibt schlechtere Arten, einen Vegas-Morgen zu beginnen.
Ein Name der Programm ist
Aria. Das Wort kommt aus dem Italienischen und bezeichnet in der Oper das große Solostück: den Moment, wo eine einzelne Stimme über allem anderen steht. Es war kein Zufall, dass MGM diesen Namen wählte. Das Aria sollte der Mittelpunkt von CityCenter werden, das Herzstück eines der ambitioniertesten Bauprojekte in der Geschichte der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.
MGM Mirage begann im Juni 2006 gemeinsam mit dem Investmentfonds Dubai World den Bau des CityCenter-Komplexes, auf dem Grundstück des im Mai 2006 gesprengten Boardwalk Hotels. Das Projekt wuchs zu einem 8,5 Milliarden Dollar teuren Koloss, dem teuersten privat finanzierten Bauprojekt in der Geschichte der USA. Dann kam 2008 die Finanzkrise. MGM kämpfte ums Überleben und musste im Frühjahr 2009 eine Zahlung von 200 Millionen Dollar leisten, um den Baustopp zu verhindern. Es war knapp. Sehr knapp.
Am 16. Dezember 2009 öffnete das Aria trotzdem seine Türen, pünktlich zu Weihnachten und mitten in der Rezession. Heute gehört das Aria zu Blackstone, der es 2021 für 3,89 Milliarden Dollar von MGM erwarb und seitdem an MGM zurückvermietet, für 215 Millionen Dollar Jahresmiete. Zahlen, die zeigen, wie wertvoll diese Adresse geworden ist.
Zwei Türme, eine Idee
Das Aria besteht aus zwei gebogenen Glastürmen, die sich in der Mitte des CityCenter-Geländes verschränken. Entworfen von Pelli Clarke Pelli Architects, die damit ihren ersten Casino-Entwurf vorlegten. Die Idee: kein Thema, keine Verkleidung, keine Kulisse. Stattdessen echte Materialien, natürliches Licht, Holz und Stein. Was damals als Wagnis galt, ist heute das Markenzeichen des Hauses, eine zeitlose Eleganz, die sich bewusst gegen die grelle Theatralik vieler Strip-Hotels stellt.
4.004 Zimmer und Suiten verteilen sich auf die beiden Türme, eines der größten Hotels in Las Vegas. Und doch fühlt sich das Aria beim Durchlaufen nie überwältigend groß an. Die geschwungenen Korridore halten Geräusche ab. Die Lobbys sind hell und luftig. Der Duft des Hauses, ein eigens entwickeltes Parfüm namens Asian Garden, liegt dezent in der Luft.
Die Zimmer: gut und bald besser
Mein Zimmer ist ein Deluxe King, rund 47 Quadratmeter, Eckfenster mit Panoramablick. Jedes Zimmer im Aria hat diese Eckfenster-Konstruktion, was bedeutet, dass man von keinem einzigen Zimmer einen schlechten Blick hat. Das Licht fällt von zwei Seiten herein, was den Räumen trotz ihrer Größe etwas Offenes gibt.
Das iPad auf dem Nachttisch steuert alles: Licht, Vorhänge, Temperatur, Musik, Zimmerservice. Auf Knopfdruck verdunkelt sich der gesamte Raum, die Vorhänge schließen sich lautlos und die Lichter dimmen gleichmäßig. Die Betten sind mit hochwertiger Baumwollbettwäsche bezogen, wer auf einem weichen Matratzenmodell landet, schläft tief.
Ehrlich gesagt: die Zimmer tragen ihr Alter. Seit der Eröffnung 2009 wurden die Standardzimmer nicht grundlegend renoviert, und das merkt man an der Abnutzung des Teppichs und an vereinzelten Kratzern auf dem Mobiliar. Wer auf ein frisch renoviertes Standardzimmer wartet, braucht noch etwas Geduld: Die angekündigte Renovierung der Standardzimmer soll laut MGM erst Ende 2026 beginnen, der Großteil der Bauarbeiten ist für Sommer 2027 geplant. Wer aktuell reist, bucht besser in den höheren Kategorien.
Ein Wort zur Minibar: Sie ist gewichtsbasiert. Wer einen Artikel anhebt oder verschiebt, ohne ihn zu kaufen, riskiert eine automatische Berechnung. Am besten gar nichts anfassen.
CityCenter: das Universum um das Aria herum
Was das Aria von vielen anderen Strip-Hotels unterscheidet, ist seine Einbettung in den CityCenter-Komplex. Direkt angrenzend liegt Crystals, ein architektonisches Kunstwerk unter einer gezackten Glasstruktur mit Hermès, Louis Vuitton, Gucci und Mastro’s Ocean Club. Von dort aus geht es per Fußweg zum Cosmopolitan und weiter zum Bellagio. Wer möchte, nimmt die kostenlose Aria Tram, die zwischen dem Resort, Crystals und dem Bellagio pendelt.
Das Gelände selbst ist durchzogen von Kunst. Die Aria Fine Art Collection wurde mit rund 40 Millionen Dollar kuratiert. Eines der bemerkenswertesten Werke ist Silver River von Maya Lin, eine wandmontierte Skulptur aus recyceltem Silber, die den Verlauf des Colorado Rivers als dreidimensionale Linie nachzeichnet. Das Silber reflektiert das Licht und die Bewegungen der Menschen, die vorbeigehen, wodurch das Werk jede Stunde anders wirkt.
Essen: von der Patisserie bis Carbone
Das Aria hat 16 Restaurants und 10 Bars und Lounges. Carbone ist die erste Adresse für alle, die italienisch-amerikanische Küche auf höchstem Niveau suchen, die Reservierungen sind oft schnell ausgebucht, frühzeitig buchen lohnt sich. Die Atmosphäre erinnert an ein New Yorker Steakhouse der 1950er Jahre mit roten Lederbänken, gedämpftem Licht und Kellnern, die jeden Gang mit echter Begeisterung präsentieren.
Din Tai Fung aus Taiwan hat im Aria sein Las-Vegas-Zuhause gefunden: die handgemachten Teigtaschen mit Suppeneinlage werden hinter einer Glasscheibe direkt vor den Augen der wartenden Besucher gefertigt. Die Schlange dafür ist legendär, wer zur Stoßzeit kommt, rechnet mit einer Wartezeit von bis zu zwei Stunden. Neu und ebenfalls einen Besuch wert: Gymkhana, das Zwei-Michelin-Stern-Restaurant aus London, hat hier seine erste US-Filiale eröffnet und bringt gehobene indische Küche auf den Strip, von Tandoori-Lammchops bis zur Venison Biryani.
Wer es günstiger mag, geht in die Proper Eats Lebensmittelmarkthalle auf der Promenaden-Ebene. Lola’s Burgers, Laughing Buddha Ramen, Wexler’s Deli und Pizzaoki, das Angebot ist breit und die Preise moderat für Strip-Verhältnisse. Und die Aria Patisserie ist rund um die Uhr geöffnet: Gelato, Croissants, Crêpes und Kaffee, ob um 14 Uhr oder um 3 Uhr nachts.
Spa, Pool und Fitness
Das Spa des Aria erstreckt sich über rund 7.400 Quadratmeter und gilt als eines der größten Forbes Fünf-Sterne-Spas der Welt. Inspiriert von japanischer Stille empfangen beim Eintritt ein Stein- und Wassergarten. Die Räumlichkeiten haben getrennte Bereiche für Männer und Frauen mit Eukalyptus-Dampfbädern und Redwood-Saunen sowie einen gemischt genutzten Bereich mit Salzraum und beheizten japanischen Steinbetten, auf denen man in sanfter Wärme döst. 62 Behandlungsräume stehen zur Verfügung.
Die drei Pools sind ganzjährig geöffnet und täglich von 10 bis 16 Uhr zugänglich, ein enger Rahmen für Las Vegas, den man einplanen sollte. Der Liquid Pool Lounge wird am Nachmittag zum Tagesclub mit Musik und Partyatmosphäre, wer Ruhe sucht, kommt früh.
Das Fitnesscenter ist mit rund 560 Quadratmetern gut ausgestattet: moderne Fitnessgeräte, Freihanteln, Kletterwand, Blick auf den Pool. Öffnungszeiten 6 bis 18 Uhr, wer früher oder später trainieren möchte, nutzt den 24-Stunden-Cardioraum auf derselben Etage.
Casino, Nachtleben und die versteckte Geheimbar
Das Casino des Aria ist dunkel und modern: braune und blaue Töne, hohe Decken, kein Tageslicht. Die Atmosphäre erinnert eher an einen eleganten Spielklub als an eine klassische Las-Vegas-Halle. Rund 1.940 Automaten und 145 Tischspiele stehen zur Verfügung, darunter ein eigener Pokerraum mit täglichen Turnieren.
Jewel Nachtclub auf der unteren Ebene öffnet an Wochenenden. Wer lieber Cocktails als Clubmusik möchte, findet im Lift Bar direkt an den Fahrstühlen einen entspannten Spot, frisch renoviert und gut bestückt.
Mein persönlicher Tipp: das Easy’s Speak Easy auf der Promenaden-Ebene. Wer den Eingang nicht kennt, läuft unweigerlich an der Donut-Auslage vorbei. Erst wenn man die kleine Tür dahinter öffnet, steht man in einem stimmungsvollen Geheimbar-Salon mit Ledersesseln, dimmbarem Licht und täglich wechselnder Live-Unterhaltung ab 20 Uhr. Der Eintritt ist meist frei.
Die Lage: zentral mit einem Haken
Das Aria liegt im Herzen des Strips, zwischen Cosmopolitan und Park MGM, und ist trotzdem nicht direkt an der Boulevardfront. Das Resort liegt rund 300 Meter vom Las Vegas Boulevard zurückgesetzt. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirkt, ist in der Praxis oft ein Vorteil: weniger Lärm, weniger Gedränge direkt vor dem Eingang, ruhigere Ankunft.
Über den Innenweg durch Park MGM erreicht man New York New York und die T-Mobile Arena, ohne auch nur einmal im Freien zu sein. Die Aria Tram bringt einen in wenigen Minuten zum Bellagio. Wer das Cosmopolitan besuchen möchte, braucht keine fünf Minuten durch Crystals.
Mein Fazit
Das Aria ist kein Hotel, das einem sofort ins Herz fällt, es ist eins, das man kennenlernen muss. Der erste Eindruck ist kühl und modern. Erst nach einem Tag spürt man die Qualität, die unter dieser Oberfläche steckt: in der Stille der Korridore, in der Sorgfalt des Spa, in der Vielfalt des Essens, im Blick, der sich jeden Morgen neu öffnet, wenn die Vorhänge auseinandergleiten.
Die Standardzimmer sind in die Jahre gekommen, aber die angekündigte Renovierung Ende 2026 verspricht Abhilfe. Die Resort Fee ist für das, was sie beinhaltet, kein gutes Geschäft. Und wer die Minibar auch nur schief anschaut, zahlt drauf. Das alles sollte bei der Budgetplanung eingerechnet werden.
Aber das Aria bleibt eines der besten Hotels auf dem Strip. Nicht wegen der Zahlen und der Auszeichnungen, sondern weil es das einzige große Resort in Las Vegas ist, das sich entschieden hat, auf ein Thema zu verzichten, und stattdessen einfach sehr gut gebaut zu sein.
| MEINE TIPPS FÜR DEINEN BESUCH |
| → Minibar-Falle: Die Minibar ist gewichtsbasiert, wer einen Artikel auch nur anhebt oder zur Seite schiebt, riskiert eine automatische Berechnung. Am besten gar nichts anfassen. |
| → Resort Fee: Rund 55 Dollar plus Steuer pro Nacht werden zusätzlich berechnet. Darin enthalten sind WLAN und Fitnesscenter. MGM Rewards Mitglieder erhalten das Parken im eigenen Parkhaus kostenlos, die Anmeldung vor der Reise lohnt sich also. |
| → Aria Tram: Der kostenlose Expresszug verbindet das Aria mit dem Crystals Einkaufszentrum und dem Bellagio. Praktisch um ohne Fahrservice zu den Nachbarn zu kommen. |
| → Proper Eats Lebensmittelmarkthalle: Die günstigste Essensoption im ganzen Resort. Lola’s Burgers und Laughing Buddha Ramen sind zwei verlässliche Empfehlungen für ein solides Mittag- oder Abendessen ohne großes Budget. |
| → Geheimbar: Hinter dem Easy’s Donut-Shop auf der Promenaden-Ebene verbirgt sich eine echte versteckte Bar. Wer es nicht weiß, läuft daran vorbei. Täglich ab 20 Uhr, Live-Musik inklusive. |
| → Pool: Der Pool ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Früh kommen sichert die besten Liegen, Cabanas am besten im Voraus reservieren. |
Stand: September 2026. Preise, Öffnungszeiten und Angebote können sich jederzeit ändern. Am besten vor der Reise auf der offiziellen Hotel-Website gegenchecken.