Ich gebe es offen zu: Als ich das Excalibur zum ersten Mal sah, musste ich lachen. Ein riesiges buntes Schloss mitten in der Wüste von Nevada. Türme, Zinnen, eine Zugbrücke, das schrie geradezu nach Kitsch. Inzwischen war ich schon mehrmals in Las Vegas, und jedes Mal zieht mich dieses Hotel auf seine ganz eigene Art wieder in seinen Bann. Was steckt wirklich dahinter? Ist das Excalibur eine veraltete Attraktion, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat, oder ein cleveres Schnäppchen, das viele Reisende vorschnell abschreiben? Meine Meinung dazu kommt am Ende.
290 Millionen Dollar für ein Schloss in der Wüste
Wer das Excalibur verstehen will, muss einen Blick in die Vergangenheit werfen. Das Gelände am südlichen Ende des Strips stand lange Jahre leer. Ursprünglich sollte hier ein Resort namens Xanadu entstehen, doch das Projekt scheiterte bereits in den 1970er Jahren. 1988 kaufte Circus Circus Enterprises das Grundstück und hatte eine klare Vision: ein familienfreundliches Mega-Resort, das Las Vegas eine völlig neue Zielgruppe erschließen sollte.
Firmengründer William Bennett entwarf das mittelalterliche Konzept persönlich. Der Architekt Veldon Simpson reiste mit Bennett durch Europa und besichtigte echte Burgen, unter anderem Schloss Neuschwanstein, um Inspiration zu finden. Am 7. Oktober 1988 erfolgte der Spatenstich, und am 19. Juni 1990 öffnete das Excalibur seine Tore: mit 4.032 Zimmern, einem Casinobereich von rund 8.600 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen von 290 Millionen Dollar. Am Eröffnungstag kamen rund 30.000 Besucher. Das Hotel war damals das größte der Welt, ein Titel, den es bis zur Eröffnung des MGM Grand 1993 behielt. Heute gehört das Excalibur zu MGM Resorts International. Aus den ursprünglich 4.032 Zimmern sind nach mehreren Renovierungen heute 3.981 geworden.
Wie sich Las Vegas verändert hat, und das Excalibur nicht
Bei meinen ersten Besuchen in Las Vegas hatte der Strip noch diesen leicht verrückten, überdrehten Charme: Pyramiden neben New Yorker Hochhäusern, Piratenshow vor dem Treasure Island, Vulkanausbrüche vor dem Mirage. Jedes Resort versuchte spektakulärer zu sein als das Nachbargebäude. Das Excalibur war dabei eines der extremsten Beispiele.
Heute ist der Strip in vielen Teilen kaum wiederzuerkennen. Luxuriöse Glas- und Stahltürme haben die bunten Themenhotels verdrängt. Marmorfoyers ersetzen Spielhallen, Designerboutiquen stehen dort, wo früher Familienrestaurants waren. Das Excalibur hat sich diesem Trend nie vollständig angepasst, und genau das ist der Kern aller Diskussionen um dieses Hotel.
Die Zimmer: von gut bis sehr gut
Das Excalibur hat in den letzten Jahren kräftig renoviert, und das sieht man. Die Zimmer im Royal Tower wirken mit warmen Holztönen, Blau- und Taupe-Akzenten frisch und durchdacht, kompakt mit rund 32 bis 34 Quadratmetern, aber angenehm gemütlich. Kleine Details wie das automatisch aktivierte Nachtlicht unter dem Nachttisch oder die Einbauschranke mit Beleuchtung zeigen, dass hier jemand mitgedacht hat.
Kaffeemaschine und Kühlschrank sucht man im Standard vergebens, wer darauf angewiesen ist, bucht gezielt nach oder fragt beim Check-in. Für den Preis, den man hier zahlt, ist das alles mehr als fair. Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht den Royal Tower direkt. Wer lieber spontan ist, fragt beim Vorab-Einchecken einfach freundlich nach einem renovierten Zimmer, das klappt öfter als man denkt. Die Selbstbedienungsterminals beim Check-in funktionieren unkompliziert und sparen Zeit. Wer lieber persönlich betreut wird, sollte etwas mehr Geduld mitbringen.
Der entscheidende Faktor: der Preis
Das Excalibur gehört regelmäßig zu den günstigsten Hotels direkt auf dem Las Vegas Strip, und das ist kein kleines Detail, das ist der entscheidende Faktor. In Zeiten, in denen selbst durchschnittliche Strip-Hotels Preise verlangen, die vor wenigen Jahren noch Luxushotels vorbehalten waren, macht dieser Preisunterschied den gesamten Bewertungsrahmen aus.
Wer günstig bucht, passt seine Erwartungen entsprechend an: direkt am Strip schlafen, ein Casino vor der Haustür, morgens duschen und abends nach draußen gehen. Das Excalibur liefert genau das, selbst nach Abzug der Resort-Gebühren bleibt das Preisniveau konkurrenzlos attraktiv.
Lage und Anbindung: unterschätzt und praktisch
Zu weit unten am Strip, das ist ein Vorwurf, den ich nicht ganz nachvollziehen kann. Direkt nebenan liegt der Luxor, zu dem ein überdachter Gang führt, was besonders im Sommer Gold wert ist. Direkt gegenüber befindet sich das New York New York mit zahlreichen Restaurants und Bars. Das kostenlose Tram-System verbindet das Excalibur über den Luxor bis zum Mandalay Bay, drei große Resorts ohne langen Fußmarsch in der Hitze.
Ein Blick in die nähere Zukunft lohnt sich: Auf dem ehemaligen Tropicana-Gelände direkt gegenüber entsteht das neue Baseballstadion der Athletics das 2028 eröffnen soll. Dieser südliche Strip-Bereich wird sich dadurch deutlich verändern: mehr Besucherströme, mehr Gastronomie, mehr Leben. Wer jetzt bucht, profitiert von niedrigen Preisen in einer Gegend, die gerade aufgewertet wird.
Pool, Casino und Alltag im Excalibur
Der Pool ist größer als gedacht: vier Becken inklusive Wasserrutsche und einem Bereich nur für Erwachsene. Keine Pflicht-Cabana, kein Pflicht-Paket, einfach entspanntes Schwimmen. Sonnenschirme sind kostenpflichtig und können je nach Saison erheblich zu Buche schlagen. Der Pool öffnet ab März und schließt im Herbst. Seit Dezember 2025 gibt es außerdem die Tiki Bar, MGMs allererste Tiki-Bar am Strip, inspiriert von Murphy, dem animatronischen Drachen aus den frühen Excalibur-Jahren, mit dreieckiger Bar, Live-Bühne und Cocktails auf Rum- und Ananas-Basis. Täglich von 17 bis 19 Uhr Happy Hour.
Das Casino umfasst rund 8.600 Quadratmeter und fühlt sich angenehm offen an, nie überfüllt, gut navigierbar. Die Mindesteinsätze an den Tischen lagen bei meinem Besuch bei 15 Dollar, für Las Vegas durchaus fair.
Im zweiten Stockwerk gibt es einen großen Schnellimbiss-Bereich mit verschiedenen Küchen und bekannten Konzepten, praktisch, schnell und deutlich günstiger als die Restaurantangebote in den Luxusresorts nebenan. Neu dort ist Luciano’s Pizza & Pasta, das die frühere Pizza-Hut-Filiale ersetzt hat, mit Pizzastücken, ganzen Pizzen und frischer Pasta. Das Fitnesscenter ist für ein Hotel dieser Preisklasse bemerkenswert gut ausgestattet, mit Blick auf den Pool.
Tournament of Kings: seit 35 Jahren ein Klassiker
Diese mittelalterliche Dinnershow gibt es seit dem Eröffnungstag 1990, und sie läuft noch immer. Ritter zu Pferd, inszenierte Kämpfe, Feuerwerk, ein mehrgangiges Dinner und die Aufforderung für sein Königreich zu jubeln. Klingt nach Touristenkitsch? Stimmt. Macht trotzdem Spaß, besonders mit Kindern oder einer größeren Gruppe. Es ist die am längsten laufende Dinnershow auf dem gesamten Strip. Reservierung empfehlenswert.
Für wen ist das Excalibur die richtige Wahl?
Gut aufgehoben sind Familien die eine kinderfreundliche Anlage direkt am Strip suchen, preisbewusste Reisende die die meiste Zeit ohnehin draußen verbringen und das Zimmer hauptsächlich zum Schlafen nutzen, sowie alle die das alte Las Vegas noch ein bisschen spüren möchten.
Weniger gut aufgehoben sind Reisende, die ein modernes Luxuserlebnis erwarten, auf einen Kühlschrank im Zimmer angewiesen sind oder absolute Stille brauchen. Das Excalibur ist ehrlich, aber es ist kein Luxushotel und hat nie den Anspruch gehabt, eines zu sein.
Mein Fazit
Das Excalibur ist nicht perfekt. Manche Zimmer zeigen ihr Alter, der Check-in kostet Nerven, der Kühlschrank fehlt im Standard und Lärm kann ein Thema sein. Das sind echte Schwächen, ich verharmlose sie nicht. Aber was das Excalibur bietet, wird in Las Vegas immer seltener: Ehrlichkeit. Es versucht nicht, etwas zu sein, was es nicht ist. Kein aufgesetzter Luxus, keine überteuerten Zimmer mit minimalem Mehrwert. Stattdessen: Strip-Lage, funktionierendes Casino, großer Pool, Live-Entertainment, alles zu einem Preis, der in der heutigen Las-Vegas-Realität fast anachronistisch wirkt.
Und ehrlich gesagt: Dieses bunte mittelalterliche Schloss das seit 1990 unbeirrt auf dem Strip steht, hat etwas das vielen der neuen Glaspaläste fehlt: Charakter. Wenn ich nachts den Strip entlanglaufe und die bunten Türme leuchten sehe, muss ich immer noch ein bisschen lächeln. Genau wie beim ersten Mal.
| MEINE TIPPS FÜR DEINEN BESUCH |
| → Royal Tower buchen: Die Zimmer sind moderner und wurden zuletzt renoviert, ein spürbarer Unterschied zum älteren Bereich des Hotels. |
| → Kühlschrank einplanen: Ein Kühlschrank ist im Standard nicht inklusive und muss gegen Aufpreis von rund 25 Dollar pro Nacht dazugebucht werden. Wer darauf angewiesen ist, sollte das beim Buchen einkalkulieren. |
| → Check-in Zeiten meiden: An Freitag- und Samstagnachmittagen ist das Gedränge am größten. Wer mit einem europäischen Reisepass anreist, sollte wissen, dass der digitale Vorab-Check-in über die App nicht immer zuverlässig funktioniert, im Zweifelsfall direkt an die Rezeption. |
| → Sonnenschirme am Pool: Diese sind kostenpflichtig und können je nach Saison erheblich zu Buche schlagen. Wer im Schatten sitzen möchte, sollte das beim Budget einplanen. |
| → Pool-Saison beachten: Der Pool öffnet ab März und schließt im Herbst. Wer im Winter reist, sollte das einplanen. |
| → Kostenloses Tram-System nutzen: Das Excalibur ist über einen überdachten Gang mit dem Luxor verbunden, besonders im Sommer Gold wert. Das kostenlose Tram-System fährt weiter bis zum Mandalay Bay. |
| → Tournament of Kings: Reservierung empfehlenswert, besonders an Wochenenden und in der Hauptsaison. Die Show läuft seit dem Eröffnungstag 1990 und ist die am längsten laufende Dinnershow auf dem Strip. |
| → Südlicher Strip im Aufwind: Auf dem ehemaligen Tropicana-Gelände direkt gegenüber entsteht das neue Baseballstadion der Athletics, das 2028 eröffnen soll. Der Bereich verändert sich, wer jetzt bucht, profitiert von günstigen Preisen in einer Gegend, die gerade aufgewertet wird. |
Stand: September 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Angeboten können sich jederzeit ändern. Am besten vor der Reise auf der offiziellen Excalibur-Website gegenchecken.