Sahara Las Vegas: ein komplett anderes Tier

Beitragsbild: KI-generiert

Das Sahara ist ein ganz anderes Gefilde. Kein Luxusbunker für 500 Dollar die Nacht. Keine endlosen Korridore bis man sein Zimmer findet. Kein Michelin-Restaurant das man drei Wochen im Voraus buchen muss. Dafür: Geschichte die atmet, Zimmer die überraschen und kostenloses Parken in einer Stadt, in der selbst das Abstellen des Autos täglich 20 bis 40 Dollar kostet.

70 Jahre in vier Akten

Wer die Geschichte des Sahara kennt, versteht warum dieses Hotel anders ist als alle anderen. Es begann am 7. Oktober 1952, als Milton Prell das Hotel Sahara eröffnete. 240 Zimmer, lebensgroße Kamele vor dem Eingang, marokkanisches Wüstenthema. Kosten: 5,5 Millionen Dollar. Das Sahara war das sechste Hotel das je am Las Vegas Strip gebaut wurde.

Was dann folgte waren die goldenen Jahre. Der Rat Pack, die legendäre Unterhaltungsgruppe um Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr., machte die Casbar Lounge zu ihrem Wohnzimmer. 1953 bestritt Marlene Dietrich hier ihre allerersten Bühnenauftritte als Sängerin. 1960 drehte der Rat Pack im Sahara Szenen für Ocean’s Eleven, den Originalfilm, nicht das Remake. Und im August 1964 wohnten die Beatles im Sahara. Ihr Zimmer Nummer 2344 wurde zur Beatles Suite und ist bis heute eine Legende.

Dann kam der langsame Abstieg. Neue Megahotels überholten das Sahara in Größe und Glanz. Am 16. Mai 2011 schlossen sich die Türen. Das Ende schien besiegelt.

Aber Las Vegas lässt seine Legenden nicht sterben. Sam Nazarian investierte 415 Millionen Dollar und eröffnete das Hotel am 23. August 2014 als SLS Las Vegas neu. Das Konzept scheiterte. Zu avantgardistisch, zu wenig Vegas, zu wenig Seele. 2018 kaufte der kubanisch-amerikanische Unternehmer Alex Meruelo das SLS und machte sich an die Arbeit.

Am 27. Juni 2019 gab Meruelo die Umbenennung bekannt, und am 29. August 2019 war es offiziell: Das Hotel heißt wieder Sahara. Als Zeichen ließ er die Statue des SLS-Gründers mit einem Bagger niederreißen, Feuerwerk inklusive. Las Vegas eben. Seitdem hat Meruelo rund 150 bis 200 Millionen Dollar in die Renovierung gesteckt. Die Zimmer wurden erneuert, das Casino modernisiert, neue Restaurants eröffnet, ein neuer Pool gebaut. Das Sahara ist zurück, und diesmal mit einer klaren Identität.

Drei Türme, drei Charaktere

Das Sahara besteht aus drei Türmen die verschiedene Preis- und Komfortstufen abdecken. Der Blanca Tower ist der Einstieg. Die Zimmer sind klein, rund 30 Quadratmeter, und das Badezimmer hat ein ungewöhnliches Layout. Wer es nicht mag, wählt einen der anderen Türme.

Der Marra Tower ist die klare Empfehlung. Die Zimmer wurden 2025 komplett renoviert, und es zeigt sich. Rund 33 Quadratmeter mit einem durchdachten Design in Beige, Creme und Burgunderrot. Regendusche im Bad, schwebende Nachttische, beleuchteter Spiegel, persönlicher Kühlschrank der wirklich frei nutzbar ist, keine gewichtsbasierte Minibar-Falle. Für den Preis ist das bemerkenswert gut.

Der Alexandria Tower ist das Premiumangebot: AAA Vier-Diamanten-zertifiziert, opulenteres Design, eigener Poolzugang, privater Parkservice. Für alle anderen reicht der Marra Tower vollkommen.

Das Casino: günstig und ohne Getue

Das Casino des Sahara ist kleiner als die Giganten auf dem Strip, und das ist ausdrücklich als Lob gemeint. Es ist hell, gut belüftet und riecht nicht nach Aschenbecher. Die Atmosphäre ist freundlich ohne aufdringlich zu sein.

Was das Sahara Casino wirklich attraktiv macht sind die Mindesteinsätze. An einem normalen Samstagabend findet man hier 10-Dollar-Blackjack-Tische. Auf dem Rest des Strips ist man bei 25 bis 50 Dollar. Das eigene Treueprogramm heißt Infinity Rewards und hat sechs Stufen.

Essen: besser als der Ruf

Balla Italian Soul ist der klare Star. James Beard Award-Küchenchef Shawn McClain hat ein Restaurant geschaffen das man auf dem Strip nicht erwartet: handgemachte Pasta, römische Pizzen, feuergegrillte Fleischgerichte und eine Focaccia die Menschen ins Schwärmen bringt. Das Drei-Gänge-Menü umfasst Vorspeise, Hauptgericht und hausgemachtes Gelato für rund 50 Dollar. Täglich zwei Happy Hours, von 17 bis 18 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, mit Cocktails und kleinen Gerichten zum Schnäppchenpreis.

The Noodle Den ist meine zweite Pflichtadresse. Hinter einer Glasfront kann man den Köchen beim Handziehen der Nudeln zuschauen. Die Teigtaschen mit Suppeneinlage und die handgezogenen Nudeln mit Sichuan-Rindfleisch sind hervorragend.

Chickies & Pete’s Crab House & Sports Bar wurde von ESPN zur Nummer 1 Sports Bar der Ostküste gekürt. Die Crab Fries sind legendär: Pommes mit Old Bay Gewürzmischung und Käsesauce. Dazu 20 Biere vom Fass, riesige Bildschirme, lautstark und gesellig.

Uno Mas Street Tacos serviert mexikanische Straßenküche mit einem besonderen Highlight: der Dole Whip Margarita, Ananas-Softeis in einem gefrorenen Margarita. Täglich bis 18 Uhr für 5 Dollar. Für Frühstück und Brunch ist Zephyr’s Cafe die Adresse, täglich von 6 bis 14 Uhr.

Und dann ist da noch Maroon: ein karibisches Steakhouse von James Beard Award-Küchenchef Kwame Onwuachi, eröffnet im Mai 2026. Ich war bereits öfters dort und komme gerne wieder.

Der Pool: kostenlos und ehrlich

Der Azilo Ultra Pool ist eine der wenigen Poolattraktionen am Strip die kostenlos zugänglich sind: für Hotelgäste ohne Aufpreis, für Einheimische ab 21 Jahren ebenfalls. Dazu kommt eine 73 Meter lange LED-Wand die Sportübertragungen zeigt, ein DJ-Pult das an Wochenenden in Betrieb ist, und eine marokkanisch inspirierte Atmosphäre mit Cabanas und Tagesliegen.

Ehrlich gesagt: Der Pool ist nicht groß. An einem vollen Sommerwochenende ist es eng. Wer einen ruhigen Urlaub am Wasser sucht ist hier falsch. Wer Party-Pool-Atmosphäre mit gutem Preis sucht ist hier richtig. Der ruhigere Alexandria Rooftop Pool auf dem vierten Stock ist den Alexandria Tower Gästen vorbehalten.

Die Lage: weit weg? Die Monorail sagt Nein.

Das Sahara liegt am nördlichen Ende des Strips. Aber dann ist da die Monorail. Die nördlichste Station liegt direkt am Hotel, verbunden über eine überdachte Fußgängerbrücke. Von hier aus fährt sie südwärts und hält an Flamingo/Caesars Palace, Horseshoe/Paris, MGM Grand und weiteren Stationen. In rund zehn Minuten ist man mitten im Geschehen ohne einen Cent für Uber ausgegeben zu haben.

Dazu kommt das kostenlose Parken, sowohl im eigenen Parkhaus als auch mit Parkservice für alle Hotelgäste. An einem langen Vegas-Wochenende spart das 60 bis 80 Dollar gegenüber den Nachbarhotels.

Ein ehrliches Wort zur Umgebung: Die Gegend nördlich des Sahara ist nicht glamourös. Wer das erwartet was man aus den Hochglanzprospekten kennt, sollte weiter südlich buchen. Wer entspannt damit umgeht, bemerkt es nach dem ersten Tag kaum noch.

Check-in: das große Fragezeichen

Es wäre unehrlich das zu verschweigen: Der Check-in im Sahara ist ein strukturelles Problem. Wartezeiten von 30 bis 90 Minuten sind keine Ausnahme sondern ein Muster. An Wochenenden und bei größeren Gruppen ist es besonders ausgeprägt.

Dazu kommt ein zweites Problem: Es kann vorkommen dass das zugeteilte Zimmer nicht dem gebuchten entspricht. Wer höflich aber bestimmt an der Rezeption nachfragt bekommt in der Regel Abhilfe. Das sollte bei einem renovierten Hotel nicht vorkommen, und es ist der einzige Punkt der das Sahara klar von der Konkurrenz trennt.

Ein Wort zu den Kosten

Aktuell liegt die Resort Fee beim Sahara bei rund 55 bis 60 Dollar pro Nacht zzgl. Steuer, das Sahara bietet aber immer wieder zeitlich begrenzte Promotionen ganz ohne Resort Fee an. Ein Blick auf die aktuelle Sahara-Seite vor der Buchung lohnt sich daher. WLAN ist inklusive. Das Parken ist kostenlos, sowohl im eigenen Parkhaus als auch mit Parkservice, und das ist direkt am Strip längst nicht bei jedem Hotel mehr selbstverständlich.

Mein Fazit

Das Sahara ist kein perfektes Hotel. Der Check-in nervt manchmal. Der Blanca Tower hat Eigenheiten die man kennen muss. Und wer Center Strip erwartet wird enttäuscht sein.

Aber das Sahara ist ehrlich. Es liefert ein gutes Erlebnis für faires Geld. Die renovierten Marra Tower Zimmer überraschen positiv. Das Balla ist besser als viele Restaurants die drei Mal so viel verlangen. Der Pool ist kostenlos. Das Parken ist kostenlos. Und die Geschichte die dieses Hotel atmet ist nicht käuflich.

Das Sahara ist keine Kompromisslösung, es ist eine bewusste Entscheidung. Für alle die wissen was sie wollen: Geschichte, gutes Essen, faire Preise und kostenloses Parken. Ein komplett anderes Tier eben.

MEINE TIPPS FÜR DEINEN BESUCH
→ Marra Tower buchen: Der renovierte Marra Tower ist die klare Empfehlung. Schöne Farben, persönlicher Kühlschrank, neues Badezimmer. Den Blanca Tower nur buchen wenn der Preis wirklich deutlich günstiger ist, und dann bewusst mit den Einschränkungen.
→ Resort Fee & Parken: Aktuell liegt die Resort Fee bei rund 55 bis 60 Dollar pro Nacht zzgl. Steuer, das Sahara bietet aber immer wieder Promotionen ganz ohne Resort Fee an, ein Blick auf die aktuelle Seite vor der Buchung lohnt sich. Kostenloses Parken gibt es dagegen zuverlässig für alle Hotelgäste, sowohl im eigenen Parkhaus als auch mit Parkservice.
→ Check-in: Besonders am Wochenende und bei Gruppen kann die Wartezeit bis zu 90 Minuten betragen. Wer spät abends anreist findet die Schlange oft kürzer. Beim Check-in lohnt es sich die zugeteilte Zimmernummer kurz zu prüfen, wer höflich aber bestimmt nachfragt bekommt meist Abhilfe.
→ Monorail nutzen: Die nördlichste Monorail-Station liegt direkt am Sahara. Von hier aus erreicht man Flamingo/Caesars, MGM Grand und alle Stationen dazwischen, ohne Fahrservice, ohne Hitze. Mehr dazu im eigenen Monorail-Beitrag.
→ Balla Happy Hour: Täglich von 17 bis 18 Uhr und 21 bis 22 Uhr gibt es im Balla Italian Soul kleine Gerichte und Cocktails zum Schnäppchenpreis. Die Focaccia ist Pflicht. Das Drei-Gänge-Menü für rund 50 Dollar ist eines der besten Preis-Leistungs-Angebote am Strip.
→ Kostenloses Parken: Parken ist im Sahara für alle Hotelgäste kostenlos, sowohl im eigenen Parkhaus als auch mit Parkservice. An einem langen Strip-Wochenende spart das schnell 60 bis 80 Dollar gegenüber den Nachbarhotels.

Stand: September 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Angeboten können sich jederzeit ändern. Am besten vor der Reise auf der offiziellen Sahara-Las-Vegas-Website gegenchecken.

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