The STRAT Hotel Las Vegas: Bester Ausblick, Nervenkitzel und Atomic Golf

Es gibt Hotels in Las Vegas, über die alle reden, und dann gibt es das STRAT. Weit oben am nördlichen Ende des Strips, ein bisschen abseits vom großen Getümmel, ragt dieser Turm in den Himmel und macht eigentlich unmissverständlich klar, was einen hier erwartet: Höhe. Jede Menge Höhe. Als ich das erste Mal vor dem Gebäude stand und den Turm nach oben verfolgte, dachte ich: Das wird interessant. Und es wurde tatsächlich mehr als das.

Ein Stück Las-Vegas-Geschichte

Die Geschichte des STRAT beginnt mit einem Mann, der größer dachte als die meisten: Bob Stupak. Der bekannte Casino-Betreiber hatte auf dem Gelände seines alten Vegas World Hotels eine Vision: einen Turm, der alles in den Schatten stellen sollte. Ursprünglich plante er einen 556 Meter hohen Koloss, den höchsten Turm der Welt. Die Luftfahrtbehörde FAA machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Was dennoch entstand, ist beeindruckend genug.

Im Februar 1992 begann der Bau, und es war kein leichter Weg. 1993 wütete ein Feuer auf der Baustelle und machte nationale Schlagzeilen. Doch das Projekt überlebte, und am 30. April 1996 öffnete die Stratosphere, so der ursprüngliche Name, ihre Tore. Die Baukosten beliefen sich auf rund 550 Millionen Dollar. 1998 übernahm Investor Carl Icahn das Haus, bevor es 2017 für 850 Millionen Dollar an Golden Entertainment wechselte, die anschließend weitere 140 Millionen Dollar in die Renovierung investierten.

Im Januar 2020 war es dann offiziell: Aus der Stratosphere wurde The STRAT. Der Name kürzer, das Konzept klarer. Heute stehen 2.427 Zimmer, ein rund 7.400 Quadratmeter großes Casino und ein Turm bereit der mit 1.149 Fuß (rund 350 Meter) der höchste Aussichtsturm in den gesamten USA ist.

Die Lage: ehrlich gesagt

Das STRAT liegt am nördlichen Ende des Las Vegas Strips, und das merkt man. Die unmittelbare Umgebung ist ruhiger, weniger poliert als das glitzernde Treiben weiter südlich. Wer zu Fuß Richtung Bellagio oder Caesars Palace aufbrechen möchte, sollte etwa 40 Minuten einplanen, und das tagsüber. Abends empfehle ich, auf Uber oder Lyft zurückzugreifen. Wer aber mit dem Deuce-Bus fährt, der direkt vor dem Hotel hält und den gesamten Strip abfährt, kommt schnell und günstig überall hin.

Der Vorteil dieser Lage: Es ist ruhiger, die Preise sind deutlich günstiger als bei den zentralen Flaggschiffen, und die Fremont Street ist überraschend nah. Wer Las Vegas nicht nur als Strip kennenlernen möchte, sondern auch die ältere rauere Seite der Stadt erleben will, ist hier sogar besser aufgestellt als in einem Hotel mittendrin. Das STRAT ist kein Ausgangspunkt für Faulenzer, aber für alle, die wissen, wohin sie wollen, funktioniert es wunderbar.

Die Zimmer: von gut bis sehr gut

Das STRAT hat in den letzten Jahren kräftig renoviert, und das sieht man. Die Elevate- und Vegas Tower-Zimmer wirken mit warmen Holztönen, Blau- und hellbraunen Akzenten frisch und durchdacht, kompakt mit rund 32 bis 34 Quadratmetern, aber angenehm gemütlich. Kleine Details wie das automatisch aktivierte Nachtlicht unter dem Nachttisch oder die Einbauschränke mit Beleuchtung zeigen, dass hier jemand mitgedacht hat. Kühlschrank und Kaffeemaschine sind inklusive, die Verdunkelungsvorhänge tun ihren Dienst zuverlässig, und der Wasserdruck in der Dusche überrascht angenehm.

Was ich vermisst habe: ein paar mehr Steckdosen und ein richtiger Schreibtischstuhl statt eines Hockers. Aber für den Preis, den man hier zahlt, ist das alles mehr als fair. Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht die Elevate-Kategorie direkt. Wer hingegen spontan ist, fragt beim Check-in freundlich nach einem renovierten Zimmer, das klappt öfter als man denkt. Die Selbstbedienungsterminals funktionieren unkompliziert und sparen Zeit.

Hoch hinaus: der Turm und seine Attraktionen

Der eigentliche Star des STRAT ist natürlich der Turm. Und er enttäuscht nicht. Von der Aussichtsebene auf dem 108. Stockwerk aus hat man einen 360-Grad-Blick über Las Vegas, der einem buchstäblich die Sprache verschlägt. Tagsüber sieht man die Bergketten ringsherum, die das gesamte Tal einrahmen. Nachts liegt die Stadt wie ein endloser Lichterteppich zu Füßen, der Strip in seiner ganzen Länge, die Skyline der Innenstadt, und am Horizont die absolute Dunkelheit der Wüste. Hotelgäste zahlen nur 5 Dollar für den Aufzug nach oben, statt der regulären 24 Dollar. Das allein ist schon ein gutes Argument für eine Übernachtung.

Wer es aufregender mag, ist bei den Turmattraktionen genau richtig. Der Big Shot schießt 16 Personen gleichzeitig mit 45 Meilen pro Stunde (rund 72 km/h) rund 50 Meter nach oben, auf eine Gesamthöhe von 1.081 Fuß (rund 330 Meter). Die Fliehkraft dabei: vier G. Der X-Scream, eine Art Wippbahn, die 27 Fuß (rund 8 Meter) über den Rand ragt, sollte man vorher auf Verfügbarkeit prüfen. Der große Arm von Insanity ist noch am Turm sichtbar, die Attraktion ist jedoch seit 2023 nicht mehr in Betrieb.

Das absolute Highlight für Mutige ist der SkyJump: ein kontrollierter Sprung aus 829 Fuß (rund 253 Meter) Höhe. Mit bis zu 40 Meilen pro Stunde (rund 64 km/h) gleitet man an Stahlseilen gesichert nach unten und landet sanft auf dem Vordach. Seit 2010 haben über 500.000 Menschen diesen Sprung gewagt, und der Guinness-Rekord als höchster kommerzieller Bremssprung der Welt ist seit Jahren gesichert. Auf meiner Wunschliste stand er lange, inzwischen ist er abgehakt.

Top of the World: essen über den Dächern

Wer einmal in einem Drehrestaurant speisen möchte, ist hier goldrichtig. Das Top of the World auf dem 106. Stockwerk dreht sich einmal in 80 Minuten um die eigene Achse, langsam genug um nicht schwindelig zu werden, schnell genug um im Laufe des Abends die ganze Stadt zu sehen. Hotelgäste erhalten 20 Prozent Rabatt auf die Rechnung, was sich bei einem Dinner schnell bemerkbar macht.

Das Essen ist gehoben und solide, was man hier aber wirklich kauft, ist das Erlebnis: ein Dinner über den Dächern von Las Vegas mit der ganzen Stadt als langsam rotierende Kulisse. Für diesen Moment lohnt es sich. Reservierung empfehlenswert, Kleiderordnung bitte beachten.

Shows und Nachtleben

Unterhaltung abseits des Turms gibt es im STRAT ebenfalls. Im hauseigenen Theater laufen regelmäßig Abendshows, darunter Rouge, eine Erwachsenenshow ab 18 Jahren. Der L.A. Comedy Club im Dragon Room bringt national tourende Comedians auf die 160-Plätze-Bühne und hat drei Shows täglich, ein echtes Highlight für alle, die Lust auf amerikanische Stand-up-Komödie haben. Der Eintritt ist überschaubar, die Atmosphäre familiär. Wer danach noch Energie hat: Die Bar auf Ebene 108 bietet Drinks mit der wohl beeindruckendsten Aussicht der Stadt, zu Preisen, die für diese Höhe erstaunlich fair sind.

Casino, Pool und Alltag im STRAT

Das Casino umfasst rund 7.400 Quadratmeter und fühlt sich angenehm offen an, nie überfüllt, gut navigierbar. Das Blau-Gold-Design ist modern und erinnert ein wenig an das Circa in der Innenstadt. Der Sportwetten-Bereich bietet zahlreiche Bildschirme, ein angenehmer Ort, um ein Spiel zu verfolgen. An Tischspielen gibt es Blackjack, Roulette und mehr, die Mindesteinsätze lagen bei meinem Besuch bei 15 Dollar, für Las Vegas durchaus fair.

Der Swim & Social Pool auf dem 8. Stock ist überschaubar, aber gepflegt: genug Liegen, angenehme Atmosphäre, kein Gedränge. Auf dem 25. Stock gibt es zusätzlich den WET24 Pool & Bar mit Tagesliegen, Cabanas und DJ-Betrieb. Für die tägliche Verpflegung stehen mehrere Optionen bereit: McDonald’s rund um die Uhr, Starbucks zu regulären Preisen und das STRAT Café für klassische Diner-Gerichte. Wer etwas Asiatisches möchte, ist in der Chi Asian Kitchen direkt im Casino gut aufgehoben.

Atomic Golf: die neue Attraktion nebenan

Direkt neben dem STRAT hat sich seit März 2024 eine der spannendsten neuen Attraktionen in Las Vegas etabliert: Atomic Golf. 75 Millionen Dollar wurden investiert, um auf rund 9.300 Quadratmetern und vier Stockwerken eine riesige Golf-Unterhaltungsanlage zu schaffen, mit 103 Abschlagplätzen, einer Reichweite von rund 194 Metern, sechs Bars und acht digitalen Putting-Stationen.

Golferfahrung braucht niemand. Schläger werden gestellt, die Spiele sind intuitiv und für alle Levels geeignet. Das Essen ist überraschend gut. Ob als Gruppe mit Pauschalangebot oder einfach spontan zum Abhängen: Atomic Golf funktioniert für alle. Mein Tipp: Am besten nach Sonnenuntergang besuchen. Die Anlage zeigt nach Westen, was tagsüber im Sommer bedeutet, dass man direkt in die Sonne schaut, und die Hitze kann gnadenlos sein. Abends dagegen verwandelt sich die Anlage durch Lichteffekte in eine völlig andere Atmosphäre.

Wer möchte, kann den Nachmittag dort beginnen, zum Abendessen ins Top of the World wechseln und den Abend an der Bar auf Ebene 108 ausklingen lassen. Ein ziemlich perfekter Las-Vegas-Tag, ohne das Hotel auch nur einmal zu verlassen. Der Parkplatz ist kostenlos.

Mein Fazit

Das STRAT ist kein Hotel für alle, und das ist völlig in Ordnung. Wer mitten im Getümmel des Strips sein will, fünf Sterne erwartet und am liebsten zu Fuß zum Bellagio läuft, ist hier falsch. Aber wer ein sauberes, gut renoviertes Zimmer zu einem fairen Preis möchte, Lust auf einzigartige Turmattraktionen hat und bereit ist, für den Rest des Strips einfach den Deuce-Bus oder Uber zu nutzen, der bekommt hier wirklich viel für sein Geld. Die Aussicht allein ist das Erlebnis wert. Und Atomic Golf nebenan erst recht. Als ich damals vor dem Gebäude stand und den Turm nach oben verfolgte, dachte ich: Das wird interessant. Es wurde mehr als das, und ich würde jederzeit wiederkommen.

MEINE TIPPS FÜR DEINEN BESUCH
→ Direkt über die offizielle Website buchen: So erhältst du einen Essensgutschein und 20 Prozent Rabatt im Top of the World Restaurant.
→ Zimmerkategorie bewusst wählen: Die renovierten Elevate- oder Vegas Tower-Zimmer sind deutlich moderner, lohnt sich!
→ Turm-Ticket für Hotelgäste: Für Hotelgäste kostet der Aufzug auf den Turm nur 5 Dollar statt regulär 24 Dollar, ein echter Vorteil.
→ Deuce-Bus nutzen: Der Linienbus hält direkt vor dem Hotel und fährt den gesamten Strip entlang, günstig und praktisch, um alle anderen Hotels zu erreichen.
→ Abends sicher unterwegs: Abends nicht alleine zu Fuß in Richtung Norden unterwegs sein, lieber Uber oder Lyft nutzen.
→ Atomic Golf nach Sonnenuntergang: Die Anlage zeigt nach Westen, tagsüber im Sommer schaut man direkt in die Sonne. Abends kommen die Lichteffekte erst richtig zur Geltung und die Hitze hat sich gelegt.
→ Stripblick beim Check-in erfragen: Nicht alle Zimmer haben automatisch freie Sicht auf den Strip, beim Einchecken gezielt nachfragen.

Stand: September 2026. Angaben zu Preisen, Öffnungszeiten und Angeboten können sich jederzeit ändern. Am besten vor der Reise auf der offiziellen STRAT-Website gegenchecken.

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